Nicht nur dem Aussehen zuliebe: Ein neues Profil

Bei vielen Menschen sind Ober- und Unterkiefer ungleichmäßig stark entwickelt. Wenn der Oberkiefer stärker angewachsen ist als der Unterkiefer, sprechen Experten von einer „Prognathie des Oberkiefers“. Der Oberkiefer steht mehr oder weniger deutlich vor, die Zähne beißen über die unteren, landläufig Überbiss genannt. Entwickelt sich hingegen der Unterkiefer stärker, nennen Fachleute dies „Prognathie des Unterkiefers“. In diesem Fall beißen die unteren Schneidezähne vor die oberen.
Solche Fehlstellungen können das Kauen, Sprechen und Schlucken erschweren. Darüber hinaus leiden viele Patientinnen und Patienten auch psychisch unter ihrem unharmonischen Profil. Vor allem junge Erwachsene haben das Gefühl, dass ihr ästhetisches Erscheinungsbild und damit ihr Selbstbewusstsein beeinträchtigt ist.
Früher achteten Ärzte bei operativen Korrekturen solcher Kieferfehlstellungen vor allem auf falsch stehende Zähne und deren medizinische Folgen, ohne dabei die Ästhetik des Gesichtsprofils besonders zu berücksichtigen.
Dies hat sich dank neuer schonender Operationsmethoden und durch den Einsatz moderner, computergestützter Bildverarbeitungssysteme geändert: Heute können die Spezialisten für das Gesicht jede Region des Kiefer- und Gesichtsskeletts operativ verlagern. So werden nicht nur beeinträchtigte Funktionen wiederhergestellt, sondern der Kieferchirurg kann auch das Gesichtsprofil und damit die ästhetische Erscheinung der Patienten korrigieren.
Dies verbessert die Lebensqualität der betroffenen Patienten erheblich, wie Kieferchirurgen immer wieder beobachten. Der Eingriff steigert das Selbstbewusstsein und macht Mut, das neue Profil zu zeigen und zu betonen.

Der Eingriff hinterlässt keine äußerlichen Narben

Die erforderlichen Operationen finden unter Vollnarkose statt. In fast allen Fällen wird der Eingriff von innen, also in der Mundhöhle, vorgenommen. Dadurch vermeidet der Kieferchirurg, dass sichtbare äußere Narben zurückbleiben.
Bei der Operation wird der Kieferknochen durch einen Schleimhautschnitt in der Mundhöhle freigelegt. Abhängig von der individuellen anatomischen Situation durchtrennen die Chirurgen dann den Knochen an einer bestimmten Stelle und setzen ihn vor oder zurück.

Mitunter ist es auch erforderlich, dass der Operator ein Knochenstück aus dem zu stark entwickelten Kiefer herausnimmt. Ebenso kann es sein, dass Knochenverlagerungen sowohl am Unter- als auch am Oberkiefer erforderlich sind, um ein harmonisches Profil zu erhalten. Neuartige winzige Schrauben und Platten aus bioverträglichem Titan sorgen dafür, dass die Kieferknochen in ihrer neuen Stellung fixiert werden (siehe Zeichnung unten). Darum können die Patienten die Klinik bereits nach wenigen Tagen verlassen.
Nach der Heilung werden Platten und Schrauben in den meisten Fällen wieder entfernt. Auch wenn Patientinnen oder Patienten unter einem fliehendem Kinn leiden und sich ein harmonischeres Profil wünschen, können die Gesichtsspezialisten helfen. In solchen Fällen wird – ebenfalls von der Mundhöhle aus – der Unterkiefer horizontal durchtrennt, nach vorn verlagert und mit einer Titanplatte fixiert (siehe Zeichnung unten).
Für derartige Eingriffe genügt in manchen Fällen eine örtliche Betäubung oder der Patient wird in eine Art „Dämmerschlaf“ versetzt (Analgosedierung).